Ihre Meinung zu: Herzinfarkte bei Kontrollen: Weit mehr Tote an DDR-Grenze?

13. August 2019 - 14:52 Uhr

Angaben des Berliner Mauermuseums zufolge sind mehr als 350 Menschen bei Kontrollen an der innerdeutschen Grenze an Herzinfarkten gestorben. Das berichtet das ARD-Politikmagazin FAKT.

Artikel auf tagesschau.de
Bewertung:
3.25
Durchschnitt: 3.3 (4 votes)
Schlagwörter der Meldung:
Geo-Schlagwörter der Meldung:

Kommentare

Ganz schwer, das korrekt nachzuweisen.

Sofern nicht gerade eine halbwegs konservierte Leiche vorliegt, wird es schwer sein, das im Nachhinein zu einem wissenschaftlichen Standard nachzuweisen. Dass auf Weisung des MfS Totenscheine schon mal "nachgebessert" wurden (wie im Falle des Schülers Heiko Runge, der 1979 bei Sorge im Harz bei einem Fluchtversuch erschossen wurde, dessen offizieller Totenschein aber kurioserweise keine Schusseinwirkung feststellte), macht die Sache nicht einfacher, da "Herzinfarkt/-versagen" darin quasi eine universelle Todesursache für Personen war, bei deren Ableben man bitte nicht näher hinsehen sollte.

Die besten Chancen auf eine halbwegs solide Zahl hat man beim Durchforsten der BStU-Unterlagen auf interne Memoranda - denn wenn das so oft vorkam, kann man Gift darauf nehmen, dass intern über Maßnahmen zur Verringerung solcher Fälle zumindest debattiert wurde. Ganz erstaunlich, über wie viele Probleme, die in der DDR angeblich gar nicht passierten, das MfS umfassend nachdachte.

Wenn jemand beim Anlupfen der Perücke durch einen...

...Grenzsoldaten einen Herzinfarkt erleidet, ist das zweifellos tragisch; doch dem Regime gegenüber daraus eine Art Schuldzuweisung zu konstruieren ist nach meinem Dafürhalten etwas weit hergeholt - so sehr auch ich diese elende Mauer verdamme.

Reine Spekulation

Eine sehr weit hergeholte und gewagte Theorie. Was die jeweiligen Ursachen für die erlittenen Herzinfarkte an der Innerdeutschen Grenze waren, lässt sich Heute überhaupt nicht mehr eindeutig belegen. Ich halte diesen Artikel daher für nicht Aussagekräftig.

ich hätte auchmal fast dort einen herzkasper

bekommen. wegen der unverschämtheiten der volkspolizei in helmstedt. danach bin ich nur noch nach berlin geflogen, aber so wichtig und schön war es dorten nie!

Ich bin heute noch froh, dass

Ich bin heute noch froh, dass wir keine Verwandschaft in der DDR hatten und so vor diesem ganzen Sorgen und auch dem Grenztheater verschont blieben. Wenn ich mir diese Oberwichtigtuer an der damaligen Grenze mit ihrem Wichtigtuerhabitus vorstelle, da hätte ich wohl entweder nen Ausraster oder auch noch einen Herzinfakt bekommen. Furchtbar, dass es immer wieder Menschen gibt, die sich vor anderen groß aufbauen müssen, weil sie so etwas für ihr Ego brauchen. Aber das findet man ja hier auch wieder vermehrt in anderen Formen.
Stultorum infinitus est numerus

@15:50 von Karl Napf

„ich hätte auchmal fast dort einen herzkasper
bekommen“

Aber doch wohl nur sprichwörtlich.
Die Verantwortung für eine natürliche Todesursache den Grenzkontrollen zuzuordnen - auch wenn es sich bei der DDR sicherlich nicht um einen Rechtsstaat handelte - ist schon sehr abwegig.

Herzinfarkte an der Mauer

Ich war in den Jahren 1979 bis zum Fall der Mauer mehrfach in der DDR und habe sehr unterschiedliche Kontrollen erlebt. Bei Zugkontrollen traf ich einmal sogar auf einen Kontrolleur, der mich freundlich und höflich behandelte und mir sogar Westpresseerzeugnisse (Der Spiegel, FAZ, Die Welt etc.) nicht abnahm, womit ich eigentlich gerechnet hatte. Bei Busreisen wurden wir hingegen oft schickaniert. Ein Onkel von mir wurde 1982, obwohl er 1970 legal aus der DDR ausgereist war, stundenlang "befragt". Wäre er nicht so ein unerschrockener Mensch gewesen, hätte er vielleicht auch einen Herzinfarkt erlitten.

Am 13. August 2019 um 15:24 von Kurt von Hammerstein

Zitat:
"...Ganz erstaunlich, über wie viele Probleme, die in der DDR angeblich gar nicht passierten, das MfS umfassend nachdachte..."

Denken Sie eventuell, die heutigen Geheimdienste machen es anders? Manchmal bin ich aber der Meinung, denen fällt das Denken recht schwer.
Na gut, hier das böse MfS und dort der gute BND.

Kontrollen an der DDR-Grenze

Oft musste ich die Grenze passieren um nach Berlin zu kommen. Dabei hatte ich immer 2-3 Koffer ! Es war nie etwas in den Koffern außer
meine Anzüge und mein Arbeitsmaterial. Aber bei jedem Grenzübergang hatte ich ein seltsames Gefühl im Bauch ! Und die Grenzer waren auch seltsame Vögel ! Waren sie mehr arrogant oder mehr dumdreist ? Schwierig !
Jahre später, als die Mauer weg war , war ich sehr oft im Osten und habe dort viele Male übernachtet und Menschen im Hotel an der Bar, in Kneipen usw. kennen lernen können.
Immer wenn der Kreis größer war,habe ich oft gefragt wer denn nicht den Honecker gewählt hat ? Niemand hat je die SED gewählt , keiner war bei der Grenzpolizei und überhaupt gab es nur Gute. (?)

Kontrollen können immer unangenehm sein.

Ich habe im geteilten Berlin die Kontrolle schon als sehr genau wahrgenommen. Das war mir aber vorher bekannt.
Die Beamten verhielten sich korrekt.
Mir haben Bekannte erzählt, dass zu RAF-Zeiten Polizeikontrollen noch wesentlich unangenehmer ausgefallen sind.
Da standen dann Polizeibeamte mit auf die Insassen des Fahrzeugs gerichteter Waffe um das Auto.

Von Herzinfarkten ist mir allerdings nichts bekannt.

Herzinfarkt......

.......bei Grenzkontrollen? Kommt sicher vor,warum auch nicht. Allerdings ist in dem Fall eine Zuweisung von "Schuld" eher daneben. Für den Gesundheitszustand von Besuchern kann ein Regime nichts. Verhöre an der Grenze waren zwar unschön, aber hatten nichts mit im weitesten Sinne "Folter" zu tun.
Zudem wusste doch oder sollte jeder Besucher wissen, worum es geht beim Grenzübergang.Meine mehr oder weniger regelmässigen Besuche erlitten nie irgendwelche Schikanen. Hat auch keine Rolle gespielt,wenn ich beim Einreiseformular mit 40 Jahren den Beruf "Rentner" angegeben hatte.....

Nach welchen Kriterien wurde man rausgesunken?

Unser Übertritt war ziemlich unspektakulär.
Alle raus aus dem Auto, Polizeihund rein ins Auto, Polizeihund raus, wir rein.

Den größten Schäden hat meine mittlere Schwester erlitten, weil ich ihr eingeredet habe, dass ihr Lieblingsteddy aufgeschlitzt wird, um nach Drogen zu suchen. Sie hatte wirklich Angst.

War vielleicht doch die überhitzte Baracke schuld? Fiel das Grenzpersonal darin auch so um?

War aber schon ziemlich am Ende der DDR. Quasi kurz vor Schluss. Vielleicht war man da nicht mehr so pingelig.

16:04 von Egleichhmalf

tschuldigung, aber diese grenzer waren das allerletzte. dagegen war der kleine deutsche postbeamt, der einem nach langer wartezeit das geschlossen schild vor den latz knallte, weil er die bleistifte anspitzen musste, quasi der heilige vater

@ 16:25 von krittkritt

Mir haben Bekannte erzählt, dass zu RAF-Zeiten Polizeikontrollen noch wesentlich unangenehmer ausgefallen sind.
Da standen dann Polizeibeamte mit auf die Insassen des Fahrzeugs gerichteter Waffe um das Auto.
Von Herzinfarkten ist mir allerdings nichts bekannt.

Mit Verlaub, Ihre westdeutschen Bekannten konnten die "Unangenehmheit" nicht vergleichen. Schließlich drohte ihnen nicht die Ermordung durch einen Unrechtsstaat nur weil sie über die Grenze reisen wollten.

Natürlich war das belastend für alle

Auch wenn manche (Ewiggestrige) das anders sehen: Die Grenzkontrollen waren sehr belastend. Vor allen Dingen deshalb, weil man selbst total ausgeliefert war und die Schikanen nicht vermeiden konnte. Wer und wie kontrolliert wurde, war unkalkulierbar. Es konnte passieren, dass man, allein schon, weil man guter Laune war und nicht unterwürfig guckte, sein ganzes Kfz ausräumen musste.

Auch das absolute Kommunikationsverbot mit DDR-Bürgern an den Autobahnraststätten fand ich einfach nur traurig und demütigend. Aber man hätte die jungen Leute, die manchmal in der Nähe waren und herüberschauten, nur in Gefahr gebracht, wenn man sich auf ein Gespräch eingelassen hätte - also: lieber nicht.

Belastend für viele Reisenden, aber auch für die diensthabenden VoPos und Zollbeamten waren sicherlich auch die Röntgenstrahlen, denen man ausgesetzt war, z.B. bei jedem Passieren des Bahnhofs Friedrichstraße.

Das kenne ich

Grenzkontrollen gibt es auch in anderen Ländern. Der Herzinfarkt wurde durch überharte Kontrollen der DDR-Zollorgane ausgelöst und das nur in diesem Land? Da habe ich Grenzkontrollen mit meiner dunkelhäutigen Frau in der USA erlebt, die waren beleidigend. Die nach Israel waren erschreckend unfreundlich. Mich würde interessieren, ob hier Menschen auch an einem Herzinfart starben.

Ist es wirklich noetig, zu so etwas

Untersuchungen anzustellen? Herzinfarkt bei der Grenzkontrolle und die DDR hatte Schuld daran? Wenn man das schon untersucht, dann sollte man auch nachforschen, wer von den Verstorbenen entsprechende Medikamente nahm, also herzkrank war. Menschen mit entsprechenden Krankheiten sollten auch heutzutage nicht in Laender reisen, wo man bei der Einreise befragt wird.

@16:54 von Gelenkte-Dem-DE

" Schließlich drohte ihnen nicht die Ermordung durch einen Unrechtsstaat nur weil sie über die Grenze reisen wollten."

Kann es sein, dass sie hier den normalen Grenzuebertritt bei Einreise und die Flucht ueber die Grenze (=illegaler Grenzuebertritt) in einen Topf werfen? Die Mauertoten sind durch nichts zu rechtfertigen aber trotzdem sollte man beim Thema bleiben und das ist hier "Tod durch Herzinfarkt bei der Grenzkontrolle".

@Freischeler

Das denke ich keineswegs, aber was hat das mit der Debatte zu tun? Nur soviel: Die heutigen Nachrichtendienste hatten ja auch ein viel enger gefasstes Aufgabenspektrum als das MfS. Wenn man sich allein schon mal die Hauptabteilung IX ansieht (die ja der Volkspolizei effektiv die Arbeit abnahm, wenn die Verbrechen zu schwer und damit "von politischer Bedeutung" wurden), sind das hier schon kriminalpolizeiliche Befugnisse zur nachrichtendienstlichen Tätigkeit. Hinzu kommt die Verwaltung 2000 mit der Militärüberwachung, das WR FED als bewaffneter Arm, etc. etc... In dem Ministerium lief einfach viel mehr zusammen als etwa beim BND heute. Mehr Kompetenzen bringen klarerweise mehr Resultate.

So oder so lagen diese Vorfälle im Verantwortungsbereich der HA VI des MfS (zu dem ja die Passkontrolleinheiten gehörten, auch wenn sie Grenztruppenuniformen trugen, wie Sie vermutlich wissen). Wenn man von irgendjemandem also nähere Auskünfte erwarten darf, dann von der guten Aktendisziplin alldorten.

Also ich bin

mehrfach an der innerdeutschen Grenze kontrolliert worden, das letzte mal im Sommer 89 vor der Öffnung im Herbst.
Immer mit Bahn, die Kontrollen waren nicht schön und haben auch Zeit gekostet, aber Gründe für ein Herzversagen bei gesunden Menschen hab ich nicht erlebt.
Was der Artikel jetzt beweisen oder bewirken soll, erschließt sich mir jetzt nicht, es gab nur Probleme wenn man Dinge mit hatte die offiziell verboten waren.
Hab ich aber auch alle Jahre ohne Probleme durch bekommen, den einen oder anderen hat es natürlich auch mal erwischt.
Mehr kann ich aus eigenem erleben dazu nicht sagen.

Heute nicht viel besser

Ich habe in den letzten Jahren bei der Einreise in die BRD (Flughafen Frankfurt) nichts als schlechte Erfahrungen gemacht. Dumme Fragen bei der Passkontrolle an meine Frau, die keine deutsche Staatsbuergerin ist (Sind Sie wirklich mit Ihrem Mann verheiratet?; Warum haben Sie nicht den gleichen Ehering, wie Ihr Mann?; Warum haben Sie und Ihr Mann unterschiedliche Paesse? etc.). Dann extrem unfreundliche Behandlung und Schikane bei der Sicherheitskontrolle (meiner 6 Monate alten Tochter wurde eine Baby-Haarbuerste auf grobe Art und Weise weggenommen, um sie gesondert zu durchleuchten, kann ja sein, dass eine Bombe drin ist). Mein Blutdruck war da hoch genug, um einen Herzinfarkt verursachen zu koennen.

Ja da gab es viele unangenehme Geschichten

Als mein Schwager beruflich zur Leipziger Messe gefahren ist, dachte er sich nichts dabei unseren Onkel in Jena kurz zu besuchen. Das hatte dann einen Tag später zur Folge das mein Onkel ins Werkbüro beordert wurde und dort Rechenschaft über den Besuch ablegen musste. Zusätzlich wurde ihm eine auf 2 Jahre angesetzte Beförderung Stufe gesperrt..

re Badman: Kein Zusammenhang?

>>Kann es sein, dass sie hier den normalen Grenzuebertritt bei Einreise und die Flucht ueber die Grenze (=illegaler Grenzuebertritt) in einen Topf werfen?<<

Kann es sein, dass Sie den Zusammenhang zwischen Mauertoten und Grenzkontrollen nicht sehen?

Neben dem Ausleben einer wirklich widerlichen Arroganz und Allmacht der „Grenzer“ ging es natürlich vor allem darum, Fluchtversuche aus der DDR zu verhindern. Sie konnten hier hautnah die Manifestation eines Unrechtsstaates erleben, in dem die meisten Menschen von nichts mehr träumten, als „rüberzumachen“.

Traurig, dass gerade von dieser Seite Deutschlands wieder der Ruf nach geschlossenen Genzen und die Verächtlichmachung von Fluchtgründen erfolgt.

Übrigens konnten die Grenzer ihre Arroganz und Allmacht nur erlauben, weil hinter ihnen die russischen Besatzungstruppen standen. Wo bleibt deren Verantwortung?

Am 13. August 2019 um 16:14 von Peter Kock

Zitat:
"...Jahre später, als die Mauer weg war , war ich sehr oft im Osten und habe dort viele Male übernachtet und Menschen im Hotel an der Bar, in Kneipen usw. kennen lernen können..."

Also auch ein solcher Berater, welcher die Gunst der Zeit nutzte. Im Westen Pfui und im Osten hui.
Sorry, wollte Ihnen nichts unterstellen, denn in den alten Bundesländer wohnten natürlich nur die Guten.

16:25 von krittkritt

Schon wieder die Relativeritis: Richtig, zu Zeiten der RAF standen Polizisten mit MP bei Kontrollen. Bei Zugfahrten in die DDR standen IMMER Grenzer mit Kalashnikow neben dem Zug. Ganz davon abgesehen, dass Autos, Busse, Züge mit Hunden nach Menschen durchsucht wurden, dass man in den engen Passkontrollkabinen in Berlin z.B. gerne mal eine halbe Stunde warten durfte, weil dem Grenzer das Frühstück nicht geschmeckt hatte, dass man regelmäßig angeblafft und mit der Miene "ich hab die Macht" eingeschüchtert werden sollte. Ich habe die innerdeutsche Grenze mindestens ein Dutzend Mal passiert und habe keine einzige positive Erinnerung. Nur an der polnischen Grenze in Görlitz wurde ich 1977 von den polnischen Grenzern höflich und korrekt behandelt, eine Erholung nach der Kontrolle der DDR.

Vielleicht sollte man mal ganz allgemein untersuchen

wieviele Menschen zwischen 1949 und 1989 an Herzversagen starben. Die gehen wahrscheinlich alle auf das Konto der DDR-Grenzsoldaten. Es hat ja sicher auch so mancher an der deutsch-französischen Grenze einen Herzinfarkt im Bett erlitten, weil er von einem Grenzübergang in Helmstedt oder Drewitz geträumt hat.

@15:59 von Hepheistos

"Ich bin heute noch froh, dass wir keine Verwandschaft in der DDR hatten und so vor diesem ganzen Sorgen und auch dem Grenztheater verschont blieben. Wenn ich mir diese Oberwichtigtuer an der damaligen Grenze mit ihrem Wichtigtuerhabitus vorstelle, da hätte ich wohl entweder nen Ausraster oder auch noch einen Herzinfakt bekommen."

Wir hatten dort Verwandte. Unseren Vater hätten wir niemals in die DDR ( für ihn die Ostzone) reisen lassen.
Ganz sicher: Erst den Ausraster und dann den Herzinfarkt.
Zwei meiner Schwestern waren mal in die DDR gereist. Als wir feststellten , dass die Einreisegenehmigungen vergessen worden waren, waren wir alle kurz vorm Infarkt. Noch rechtzeitig konnten meine Schwestern in Hannover aus dem Zug geholt werden um dort auf den nächsten Zug zu warten, der die Papiere mitbrachte. (Die Mitarbeiter der DB waren extrem hilfsbereit.)

Darstellung: