Ihre Meinung zu: Strafrecht: Sexualdelikte - Taten mit geringem Risiko

29. Oktober 2020 - 6:00 Uhr

Wer in Deutschland vergewaltigt oder belästigt, kommt meist ungeschoren davon. Auch die Reform des Sexualstrafrechts im Jahr 2016 hat daran wenig geändert. Den höchsten Preis zahlen die Opfer.

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Kommentare

Egal, Hauptsache Quotenfrau

Das legt eindeutig den Finger in die Wunde. Alle Gender-Politik vom politisch korrekten Reden bis zu Quotenfrauen in hohen Positionen sind lächerliche ideologiegetriebene Symbolpolitik, von der im Alltag 99,9% der Frauen in diesem Land nicht profitieren. Würden die PolitikerInnen ihre Energie darauf konzentrieren hier für mehr justizielle Gerechtigkeit mit aller Konsequenz für Opfer und Täter zu sorgen, wäre sicherlich einem Viertel aller Frauen in diesem Lande schon geholfen. Das würde wahrscheinlich langfristig so viele Opfer vermeiden...
Es wundert mich dass die Bekannten Schreihälse im Bundestag nicht auf diesem Thema rumreiten. Ich empfinde das als tief beschämend insbesondere für die PolitikerInnen, die sich für Quotenfrau und Politische Korrektheit einsetzen!

Meinung

In diesem Land ist der Täter mehr wert als das Opfer.Leider!
Echte Strafen die auch andere abschrecken, gibt es so gut wie garnicht mehr, weil die Richter Skrupel haben Leute in das Gefängnis zu schicken....und der Staat, weil er sie auf hohem Niveau alimentieren muß.
Leider ist es so gekommen!

Das soziale (Arbeits-)umfeld sollte bereits sanktionieren

Der geschilderte Fall überrascht mich leider nicht, denn sowohl Wissenschaft wie Kunst- und Kreativbranche sind Strukturen, die durch ein starkes Abhängigkeitsverhältnis von bestimmten, kaum ersetzbaren Personen geprägt sind. Die Nachwuchswissenschaftler*innen müssten ihre Projekte und damit viele Jahre Arbeit wegwerfen, wenn sie Arbeitsgruppe bzw. sogar -gebiet wechselten. Das öffnet allen Formen von Machtmissbrauch Tür und Tor wie einige MeToo Fälle zeigen.

Auch sind viele Arbeitsgruppenleiter wegen ihrer wissenschaftlichen Qualifikation in diese Positionen gekommen, nicht aber wegen ihrer Führungsqualitäten. Wem die Weiterbildungen (und das Interesse) an Personalführung fehlen, stellt sich halt auch gerne taub wenn Vorwürfe wie sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erhoben werden. Sexistische Sprüche wären nämlich in erster Linie eine Aufgabe für den direkten Vorgesetzten bzw. den Institutsdirektor/Personalrat und nicht für den Staatsanwalt.

Intime Verhältnisse mit minderj. Abhängigen - das geht gar nicht

Auf das Nutzen von Abhängigkeit, gerade bei minderjährigen Mädchen und Jungen, da müsste genauer draufgeschaut werden. Im Sport (Trainer/SportlerIn) in der Kirche, Schule (SchülerIn/LehrerIn), Betrieb und Behörde (ChefIn/Azubi) – intime Verhältnisse mit minderjährigen Abhängigen gehen grundsätzlich gar nicht.

Eine meiner Freundinnen hat sich während ihrer Ausbildungszeit selbst den Arm an einer Papierschneidemaschine (Hacke) gebrochen, um wenigstens während der Krankschreibung den Nachstellungen ihres Chefs zu entgehen. Aus Angst vor einem schlechten Zeugnis hat sie ihn nie angezeigt.
Wenn erwachsene Frauen und Männer solche Verhältnisse eingehen – selber schuld. Das muss man nicht, und wenn man durch sexuelle Zugeständnisse Vorteile hat, dann bezahlt man dafür meistens auch einen Preis.
Gewalt und Erpressung - dafür sind Polizei und Staatsanwaltschaft zuständig.

Sexuelle Belästigung – ambivalente Position

Meine Position zum Thema sexuelle Belästigung ist ambivalent. Vergewaltigung, Verabreichen von K.O.-Tropfen, Nötigung … da ist die Sache klar, da gibt es nur eins: Handfeste, spürbare Strafen für die Täter, ordentliche Entschädigungszahlungen an die Opfer. Wer kein Geld vom Täter eintreiben will, kann die Ansprüche zugunsten von Organisationen, z.B. Frauenhäusern, abtreten.
Allerdings finde ich die unsägliche MeToo-Bewegung und deren Ableger bei uns übertrieben. Wenn schon ein harmloses Ansprechen als Belästigung angesehen wird, wie sollen sich (junge) Leute dann kennenlernen? Wenn in meinem Wohnviertel junge Leute aus der Tanzstunde kommen, scheinen manche extrem testosterongesteuert zu sein, und das Kreischen der Mädchen und ihr Verhalten ist auch nicht immer jugendfrei. In jeder Lebensphase dauert es eine Zeitlang, bevor man einen Ausgleich zwischen Natur und Kultur, Körper und Körperbeherrschung, zwischen Wollen und Können gefunden hat.

15%

Eine Quote von 15% bei falschen Anzeigen wegen Sexueller-Gewalt finde ich nicht verschwindend gering. Immerhin wird bei 15 von 100 Männern versucht deren Leben zu zerstören. Als Psychotherapeut und Gerichtsgutachter weiß ich sehr wohl über die massiven Folgen einer Falschbeschuldigung.
Notwendig wäre meiner Ansicht nach, dass viel mehr - speziell ausgebildete - approbierte Psychotherapeuten von Beginn an in ein Sexualdeliktverfahren eingebunden werden.
Sexuelle Belästigung ist immer auch mit einer subjektiven Wahrnehmung - beim Täter als auch beim Opfer - verbunden. Daher ist es wichtig den tatsächlichen Tatbestand ermitteln.

Verstehe ich nicht

Die zuweilen geäußerte Forderung nach einer Beweislastumkehr würde Grundprinzipien des Rechtsstaats aushöhlen.

Das ist sicherlich ein schwerwiegendes Argument, und ich hätte dafür spontan keine Lösung parat. Eine Beweislastumkehr würde ich auch nicht einfach so akzeptieren.
Dann lese ich aber folgendes:

Ermittler müssen in solchen Fällen bei Vernehmungen von der so genannten "Unwahrhypothese" ausgehen - und Opfer so befragen, als ob sie lügten.

Was ist denn das anderes als eine Beweislastumkehr? Darf man also beim Täter davon ausgehen, dass seine Unschuldsbeteuerungen die Wahrheit sind, und muss gleichzeitig dem Opfer unterstellen, zu lügen?

@Nachfragerin

Es geht hier nicht um pubertierende Teenager, sondern um sexuelle Übergriffe an Menschen, die in Abhängigkeit zum Täter stehen. Sie schreiben bei Minderjährigen ist das nicht zu dulden, was natürlich 100% richtig ist, Erwachsene seien aber selber Schuld. Genau diese Einstellung macht es den Tätern leicht. Wenn z.B. eine Mitarbeiterin vom Kollegen sexuell belästigt wird, dies die Vorgesetzten nicht interessiert, bleibt wohl nur die Kündigung. Es geht hier auch nicht um harmlose Flirtversuche, wie auch die suggerieren, sondern um Demütigung und Machtgehabe. Dies macht die Opfer auf die Dauer krank.

@um 08:38 von draufguckerin

"Wenn schon ein harmloses Ansprechen als Belästigung angesehen wird, ..."

Harmloses Ansprechen sieht niemand als Belästigung. Aber wer weiß schon, was Sie als harmlos empfinden.
Ist es "Hallo", "Guten Tag" oder "Hallo Süße", "Na, Schnecke" - kleiner Tip, letztere sind nicht harmlos.

Entschuldigung es muss

Entschuldigung es muss natürlich heißen @draufguckerin.

Warum haben Straftäter immer

Warum haben Straftäter immer irgendwelche Rechte, die ihnen plötzlich einfallen? Ihren Opfern gestanden sie ihre Rechte auch nicht zu.

Strafmaß für Falschbeschuldigungen

Diejenigen, die Falschbeschuldigungen erheben, haben in Deutschland nichts zu befürchten. Es gibt so gut wie keine Strafe dafür. Dagegen vorzugehen ist aber politisch und ideologisch nicht opportun. Es darf ja nicht sein, dass auch Frauen Täter und Männer Opfer sind.

auch bei anderen Straftaten

"Wenn schließlich Aussage gegen Aussage steht, gilt die Unschuldsvermutung"

Das gilt bei allen Straftaten, nicht nur bei denen, um die es in dem Beitrag geht. Dies ist auch ein Grundprinzip des Rechtsstaats. Wenn man dies abschafft, reicht eine Behauptung, um jemand ins Gefängnis zu stecken.

@09:45 von frosthorn

"Ermittler müssen in solchen Fällen bei Vernehmungen von der so genannten "Unwahrhypothese" ausgehen - und Opfer so befragen, als ob sie lügten.

Was ist denn das anderes als eine Beweislastumkehr? Darf man also beim Täter davon ausgehen, dass seine Unschuldsbeteuerungen die Wahrheit sind, und muss gleichzeitig dem Opfer unterstellen, zu lügen?"

Sie vermischen hier Ermittlungen durch Polizei und die Justiz. Polizeitaktisch mag diese Art der Befragung Sinn ergeben – ehrlich gesagt keine Ahnung. Entscheidend ist, was schlussendlich vor Gericht passiert.
Eine Beweislastumker, bei der ein vermeintlicher Täter seine Unschuld beweisen muss oder ansonsten ohne Beweise nur durch Aussage des Opfers schuldig ist wäre Irrsinn. Würde mich aber nicht wundern wenn wir dahin kommen in dieser ideologisierten Zeit.

Falsche Anzeigen

5 - 15% sind jetzt nicht gerade wenig. Bei 82.000 Anzeigen also zwischen 4.100 und 12.300 falsche Beschuldigungen.

>>Zwei Drittel aller

>>Zwei Drittel aller Verfahren werden eingestellt<<

>>Ein weiterer Einstellungsgrund ist häufig, dass die Tat nicht als schwerwiegend eingestuft wird, wie im Fall von Anna Köster.<<

Es sind meist Männer, die diese Entscheidungen treffen!

Immer mehr Frauen trauen sich auch keine Anzeige zu machen, weil die Aussicht.....

Mittlerweile wird immer öfters den Frauen die Schuld gegeben, weil sie einen zu kurzen Rock tragen oder sich nicht züchtig kleiden.

Von den Beleidigungen, Demütigungen, ob vor Gericht oder auf der Straße, fange ich gar nicht an.

Vergewaltigungen sind zu einem Kavaliersdelikt geworden!

PS. Ich als Frau wüsste genau, was ich mit solchen Strolchen tun würde; nur sollte ich das an dieser Stelle nicht genau beschreiben.

Nur zwei Worte: Alttestamentliche Reaktion!

Es fängt schon ganz oben an.

Es fängt schon ganz oben an. Wenn der angeblich Großartigste Anführer der angeblich Großartigsten Nation
der Erde erklärt, dass man Fauen ruhig in den Schr.... greifen solle weil sie es ja mögen. Dann sich eine angeblich christlich Religiöse Frau von ihm missbrauchen lässt um seine hasserfüllten Vorstellungen von Gerechtigkeit in seinem Land umzusetzen und Millionen seiner Landsleute ihn immer noch wählen wollen statt ihn zum Teufel zu jagen, brauchen wir uns doch nicht zu wundern dass sich auch bei uns Männer aufgerufen fühlen diesem "Vorbild" nach zu eifern.

@09:45 von frosthorn

>>Was ist denn das anderes als eine Beweislastumkehr? Darf man also beim Täter davon ausgehen, dass seine Unschuldsbeteuerungen die Wahrheit sind, und muss gleichzeitig dem Opfer unterstellen, zu lügen?<<

Beweislastumkehr heißt, dass der Beschuldigte seine Unschuld beweisen muss. Sie wären also schuldig, bis das Gegenteil bewiesen ist.

Da es hierbei nicht um die Frage geht, ob das Opfer eine Straftat vortäuscht, sondern darum, ob der Beschuldigte die Tat begangen hat, ist die Beweislast zu Gunsten des Beschuldigten. Das es hierbei dann ggf. nicht zu einer Verurteilung kommt heißt daher nicht im Automatismus, dass das vermeintliche Opfer lügt.

Wenn dann der vermeintliche Täter das vermeintliche Opfer wegen übler Nachrede anzeigt drehen sich die Rollen um - ebenso wie die Beweislast. Damit ist auch hier der Beschuldigte entsprechend vor unrechtmäßiger Strafe geschützt.

Also kurz: Sie sind so lange unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen wurde.

@frosthorn, 09:45

„Dann lese ich aber folgendes: Ermittler müssen in solchen Fällen bei Vernehmungen von der so genannten "Unwahrhypothese" ausgehen - und Opfer so befragen, als ob sie lügten.

Was ist denn das anderes als eine Beweislastumkehr? Darf man also beim Täter davon ausgehen, dass seine Unschuldsbeteuerungen die Wahrheit sind, und muss gleichzeitig dem Opfer unterstellen, zu lügen?“

Sieht ganz so aus. Dieses „rechtsstaatliche Prinzip“ sollte daher m.E. bei jedem selbstständig denkenden Menschen die Frage aufwerfen: Cui bono?

@09:52 von Wolfes74

>>@um 08:38 von draufguckerin
"Wenn schon ein harmloses Ansprechen als Belästigung angesehen wird, ..."

Harmloses Ansprechen sieht niemand als Belästigung. Aber wer weiß schon, was Sie als harmlos empfinden.
Ist es "Hallo", "Guten Tag" oder "Hallo Süße", "Na, Schnecke" - kleiner Tip, letztere sind nicht harmlos.<<

Letzteres finde ich äußerst niveaulos und ich empfände das ggf. als 'belästigend' im Sinne von nervig... aber strafrechtlich relevant? Keine Ahnung.

Was Sie schreiben ist allerdings nicht richtig. Auch harmloses Ansprechen hat schon zu krassen Auseinandersetzungen geführt. Mir ist da eine Story im Gedächtnis geblieben. Mann und Frau treffen während einer Konferenz im Fahrstuhl. Er spricht sie an und fragt, ob sie Interesse an einem Kaffee/Tee im Hotelzimmer hätte.
Die Reaktion war heftigst.
Keine der beiden Seiten hatte die Situation so dargestellt, als ginge es über die Einladung zum Kaffee hinaus.

sofort melden

So wie es sich mir aus dem Artikel darstellt, ist es wichtig, dass das Opfer sich sofort meldet, damit Beweise gesichert werden können. Vielleicht auch sinnvoll bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz Zeugen im Nachbarzimmer zu postieren.

Und nicht wie manchmal in der Presse bei Prominenten der Fall nach 10-30 Jahren erst melden.

Insgesamt ein zweischneidiges Schwert, auch umgekehrt durch eine Falschaussage kann eine Frau schnell die Zukunft eines Mannes zerstören (Kachelmann u. Co).

@Ludwig Wölk, 9:22

Sexuelle Belästigung ist immer auch mit einer subjektiven Wahrnehmung - beim Täter als auch beim Opfer - verbunden. Daher ist es wichtig den tatsächlichen Tatbestand ermitteln.

Das hört sich ja ganz gut an. Nur lässt sich ja der "tatsächliche Tatbestand" schlecht von der Wahrnehmung der Beteiligten trennen. Zudem entbindet dieses Prozedere natürlich einen potentiellen Täter von der verdammten Pflicht und Schuldigkeit, sich vorher zu überlegen, ob seine Annäherungsversuche gewünscht sind, anstatt nachher zu sagen "da war doch gar nichts, höchstens in deren Wahrnehmung".

Falschbeschuldigungen sind ein Faktor -und Opfer gibt es überall

Zur im Artikel genannten Rate an Falschbeschuldigungen gibt es viele Quellen, die auf höhere Raten (bei Vergewaltigungsvorwürfen) verweisen. So z.B. die Washington Post (25%)
41-50% - Kanin, Eugene: "Fale Rape Allegations. In: Archives of Sexual Behaviour, 1999]
50% - Zeit - Sabine Rückert: "Zwei blaue Flecken und ein Nullbefund"
30-40% - Günter Köhnken im Interview mit Sabine Rückert: Böse Eloquenz (2008)

Und nun zum Bild. Wie immer sieht man hier beim Thema sexueller Gewalt (aber auch häuslicher Gewalt) einen Mann, der eine Frau angreift. Begründet wird dies gern damit, dass die Opfer überwiegend weiblich und die Täter männlich sind.
Bei sexueller Belästigung gibt es allerdings ebenfalls Hinweise darauf, dass das so nicht stimmt, wie z.B. eine Studie der Unviersität Lausanne in 2003 feststellte. Ergebnis: Opfer sind in etwa gleichverteilt - Täter ebenso. Quellen mit ähnlichen Ergebnissen gibt es viele.

Das Bild reproduziert also erneut einen unwahren Negativstereotyp.

08:38 von draufguckerin

Wenn schon ein harmloses Ansprechen als Belästigung angesehen wird, wie sollen sich (junge) Leute dann kennenlernen?

Das von Ihnen erwähnte Argument muss leider immer wieder herhalten. Selbst wenn es nicht immer hundertprozent eindeutig ist, sollte m.E. doch grundsätzlich jeder Mensch in der Lage sein, wahrzunehmen, ob das Gegenüber Interesse signalisiert oder nicht und wo die Grenze zwischen (gegenseitigem) Flirten und Übergriffigkeit verläuft. Besteht offensichtlich kein Interesse, dann ist dies zu akzeptieren und weiteres "Ansprechen" und Insistieren zu unterlassen. Eigentlich nicht so schwer.

Mir kommt es eher wie eine Ausrede von Männern (und manchen Frauen) vor dies nicht bemerken zu können oder zu wollen. Die von Ihnen genannten gleichaltrigen Jugendlichen probieren sich aus und das ist nicht vergleichbar mit Abhängigkeitssituationen wie im Artikel aufgeführt.

um 09:45 von frosthorn

Was ist denn das anderes als eine Beweislastumkehr? Darf man also beim Täter davon ausgehen, dass seine Unschuldsbeteuerungen die Wahrheit sind, und muss gleichzeitig dem Opfer unterstellen, zu lügen?

Das ist keine Beweislastumkehr, sondern versuchte Wahrheitsfindung. Wird das nicht gemacht, kann man sich gleich die Ermittlungen sparen, da Aussage gegen Aussage steht.

@08:34 von draufguckerin

>>Wenn erwachsene Frauen und Männer solche Verhältnisse eingehen – selber schuld. Das muss man nicht(...).
Gewalt und Erpressung - dafür sind Polizei und Staatsanwaltschaft zuständig.<<

Im Regelfall geht man solche Verhältnisse ja nicht bewusst ein. Im Vorstellungsgespräch oder der Jobausschreibung wird ja nicht gefragt, ob man an gelegentlichen sexuellen Kontakten ebenfalls Interesse hat. Im Zweifel zieht man sogar für den Job um, sucht sich eine neue Wohnung. Am Anfang ist alles ok und später stellt sich heraus was dort abgeht.

Sieht klasse im Lebenslauf aus, sich dann nach 4 Monaten etwas neues zu suchen. Im nächsten Vorstellungsgespräch wird natürlich nachgefragt. Dann zu sagen "Ja, der Chef hat mich ab und an begrabscht und deshalb bin ich gegangen." ist nicht so der beste Aufmacher.

Das ist eine miese Situation in die niemand kommen sollte. Passiert aber und wir brauchen dafür Lösungen.

Am 29. Oktober 2020 um 09:45 von frosthorn

Zitat: Was ist denn das anderes als eine Beweislastumkehr? Darf man also beim Täter davon ausgehen, dass seine Unschuldsbeteuerungen die Wahrheit sind, und muss gleichzeitig dem Opfer unterstellen, zu lügen?

Das ist die normale Beweislast.Der Beschuldigte gilt als unschuldig, bis das Ggegenteil bewiesen ist. Der Beschuldigte muss nicht seine Unschuld beweisen.

Derjenigen, die behauptet Opfer zu sein, wird nicht unterstellt, zu lügen. Das gibt der Artikel nicht her. Quasi als Arbeitshypothese ist sie so zu befragen als ob sie lügte. Das gilt gleichermaßen für den Beschuldigten.

Ich war kürzlich mit einem Fall befasst, in dem die Polizei das vermeintliche Opfer sehr wohlwollend befagte hatte. Das ist glücklichwerweise der Staatsanwältin aufgefallen und sie hat eine Nachvernehmung veranlasst. Das Verfahren wurde eigestellt. Der Täter ist in seiner Umgebung unten durch. Hängen bleibt dort die Beschuldigung (wo Rauch ist, ist auch Feuer), nicht die Einstellung

@09:52 von Wolfes74

"Ist es "Hallo", "Guten Tag" oder "Hallo Süße", "Na, Schnecke" - kleiner Tip, letztere sind nicht harmlos."

Eben das ist das Problem. Das ist ein rein subjektives Empfinden. Zudem hängt es auch noch davon ab, von welcher Person diese Worte geäußert werden (Frauen werden sicherlich einen Unterschied zwischen einem Typ à la Brad Pitt und einem Bauarbeiter machen). Ich denke eine emotional gefestigte Persönlichkeit sollte mit keinem dieser Bezeichnungen ein Problem haben. Wenn es einem nicht passt, dann gibt man einfach verbal Kontra. Wer von solchen Worten psychische Schäden davonträgt, der hatte die mMn auch schon vorher.

Sexualidelikte

Wenn aber einer schreibt ,was so im Land alles passiert ( Leider wurden das nicht gezeigt ) und was wie zusammenhängt ,wird das als falsch eingestuft ! Tolle Demokratie.

um 09:45 von frosthorn Verstehe ich nicht

"Ermittler müssen in solchen Fällen bei Vernehmungen von der so genannten "Unwahrhypothese" ausgehen - und Opfer so befragen, als ob sie lügten."

Darüber habe ich mich auch vor- und rückwärts verfangen. Das ist sowas wie die ultimative Abschreckung und schreit förmlich nach akademisch psychologischer Kompetenz. Umsomehr, da Täter in den dunklen Tiefen des Unbewussten fischen dürfen, während die Opfer dort gegen die Fluten aus Scham, Angst und Abwehr kämpfen.

Wenn die Klärung der Glaubwürdigkeit und des Tatgeschehens nicht von Spezialisten durchgeführt wird, bleibt es im Auge der Öffentlichkeit Taburaum oder Bagatelle. Kaum zu glauben nach dem Prozess gegen den amerikanischen Filmproduzenten. Taten im Affekt, wenn man das den testosterongestörten mal zubilligen will, sind so gut wie immer nicht passiert, wenn keine Zeugen dabei waren. Also kann es im Zweifel nur über Druck auf das Zentrum persönlicher Tarnstrategien gehen, um die Glaubwürdigkeit von Täter/Opfer herauszufinden.

Sehr problematisches Thema.

Tatsächlich ist sexuelle Belästigung derart alltäglich, dass es häufig auch ignoriert wird. So erwähnt der Artikel zum Beispiel nicht, dass die Hälfte aller sexuellen Belästigungen von Frauen ausgeht, aber Hilfsangebote für Männer oder eine diesbezügliche Sensibilisierung mit der Lupe gesucht werden muss.

Als junge Frau ...

wurden mein Mann, ich und ein anderes Ehepaar von deren Eltern abgeholt - wir hatten getrunken. Der Ehemann meiner Freundin griff mir an den Busen, ich versuchte, ihm eine zu scheuern und rief, er solle aufhören, was er auch tat. Aber niemand reagierte. Wenn er getrunken hatte, ging er mich verbal an. Mein Mann wusste das, aber "Das ist halt der Christian". Seine Schwestern, die auch in meiner Clique waren, meinten, er würde ihnen immer erzählen, wenn er verliebt wäre oder fremd ginge, aber mich habe er nicht erwähnt.
Ich gehöre zu den Frauen, die einen grenzwertigen Spruch in die Lächerlichkeit ziehen können und sich nicht mehr um den Kerl kümmern, aber damals habe ich mich beschmutzt gefühlt. Dazu die Abwiegelung des eigenen Mannes und der Freundinnen, die Hilflosigkeit im Auto und danach.

Heute habe ich andere Freunde und einen guten Mann. Heute wäre ich nicht auf mich alleine gestellt.
Es wird höchste Zeit, dass sich etwas ändert für die betroffenen Frauen.

Ein Mann kann nicht

Ein Mann kann nicht versthenen was passiert, wenn eine Frau vergewaltigt wird.

Das ist eine Erniedrigung, eine Demütigung, der Akt gleicht einem Tötungsdelikt!

Wir haben in unserem Bekanntenkreis eine Frau, die dieses Martyrium erleben musste - sie leidet bis heute, obwohl es vor über 10 Jahren (!) geschah.

Die Prozessurteile sind m. E. lächerlich und für das Opfer eine zusätzliche Erniedrigung!

Wie ich bereits schrieb: Vergewaltigung ist ein Kavaliersdelikt!

Wann ändert sich die Denkweise?

PS: Wäre ich Richterin, bekäme kein(!) Täter unter 10 Jahren wieder in Freiheit!

um 10:24 von morgentau19

Es sind meist Männer, die diese Entscheidungen treffen!

Statistisch sollten es meist Frauen sein, aber das passt wohl nicht in ihr Weltbild.

@viele

Ich rede hier keinesfalls einer Beweislastumkehr das Wort. Ich habe das in meinem Post auch eindeutig so geschrieben. Die Unschuldsvermutung (vor Gericht, wohlgemerkt) ist unverzichtbarer Bestandteil des Rechtsstaats und ich wünsche hier keine Veränderung.

Die "Schuldvermutung beim Opfer" allerdings ist doch etwas eigenartig, erst recht, wenn man im Artikel liest, dass die Ermittler hierzu sogar verpflichtet sind. Und deshalb kritisiere ich diese spitzfindige Auslegung der Unschuldsvermutung.
Wer meine Beiträge regelmäßig verfolgt, weiß, dass ich keiner bin, der über eine deutsche "Kuscheljustiz" jammert oder sich beklagt, dass Täter alle und Opfer keine Rechte hätten. Ich bitte das zu differenzieren.

um 11:25 von falsa demonstratio

"Ich war kürzlich mit einem Fall befasst, in dem die Polizei das vermeintliche Opfer sehr wohlwollend befagte hatte. Das ist glücklichwerweise der Staatsanwältin aufgefallen und sie hat eine Nachvernehmung veranlasst. Das Verfahren wurde eigestellt. Der Täter ist in seiner Umgebung unten durch. Hängen bleibt dort die Beschuldigung (wo Rauch ist, ist auch Feuer), nicht die Einstellung."

Was der Artikel ,,hergibt" und hier im thread ansatzlos umgangen wird, ist der Umstand, daß eine beliebige Polizeidienststelle mit jeder Art von Befragung automatisch überfordert sein muß, weil das erste Glied in der Kette der Wahrheitsfindung immer im Dunklen sitzt, weil sie schlicht nicht die Kompetenz hat, solche psychodynamische ,,Sachverhalte" so lokalisieren und öffnen zu können, daß daraus gerichtsverwertbare Fakten sichtbar werden.

um 11:13 von WiPoEthik

Das Bild reproduziert also erneut einen unwahren Negativstereotyp.

Nicht nur das Bild. Die im Artikel erwähnte Berliner Fachstelle richtet sich natürlich nur an Frauen. Das Beispiel ist natürlich auch weiblich. Es wird der Eindruck erweckt, sexuelle Belästigung ginge grundsätzlich von Männern aus und Frauen wären immer die Opfer, dabei gibt es, wie Sie schon erwähnten, gemäß Studien in etwa eine Gleichverteilung zwischen den Geschlechtern.

Erschreckende Zustände

Die Frage wäre schon mal warum das so ist. Reden die Ermittler den Opfern schon mal ein dass es eh keinen Zweck hat? Nur, um sich Arbeit zu ersparen?

Unsere Richter sehe ich dann als die nächste Instanz die schuld an sowas hat. Um Verfahren zu beschleunigen wird das alles schnell beendet indem man die Beweislage nicht genau unter die Lupe nimmt?

Immer wieder gibts auch Fälle anderer Art in denen ein Richter ein unverständliches Urteil fällt. Alles wegen Überlastung?

Dann kommen noch die Frauen die jemanden was anhängen wollen und damit die Glaubwürdigkeit wahrer Opfer reduzieren?

Dazu liest man immer wieder dass die Angst, einfach so zu beschuldigt werden, seit metoo erheblich gestiegen ist.

Darf aber nicht verwundern, wenn selbst eine ranghohe Politikerin ein Verlegenheitskompliment als "schlimmster Fall von Sexismus die sie je erlebt hat" bezeichnet.

Solche Dinge werden dafür sorgen die Glaubwürdigkeit von Opfern weiter nach unten zu ziehen.

um 10:13 von Hennes Conrad

Warum haben Straftäter immer irgendwelche Rechte

Weil in einem Rechtsstaat jeder Rechte hat. Ein Straftäter wird gerade deshalb zum Straftäter, weil er die Rechte anderer missachtet. Missachtet man im Gegenzug die Rechte des Täters, stellt man sich auf dieselbe Stufe wie dieser.

09:52 von Wolfes74

Naja, so einfach ist das nicht.

Die Frau entscheidet ja selbst was sie als belästigung empfindet. Gefällt ihr der Typ nicht, sieht sie es als Belästigung. Ist er genau ihr Fall, als Kompliment.

Als Mann muß man seit metoo noch vorsichtiger sein, zumindest wenn man kein traumtyp ist.

@10:24 von morgentau19

>>Mittlerweile wird immer öfters den Frauen die Schuld gegeben, weil sie einen zu kurzen Rock tragen oder sich nicht züchtig kleiden.<<

Man hört immer wieder, dass das so sei. Belege dafür habe ich allerdings noch nie gesehen - konkrete Beispiele ebenfalls nicht.

>>Vergewaltigungen sind zu einem Kavaliersdelikt geworden!<<

Die einzigen Verbrechen die evtl. in der Gesellschaft schlechter angesehen sind als Vergewaltigungen sind Mord und Kindesmissbrauch.

Re: Am 29. Oktober 2020 um 11:25 von falsa demonstratio

Vielen Dank für Ihre Beiträge im Forum, sie sind eine echte Bereicherung.

Obwohl ich selber als Frau 2x selbst Übergriffe von einem Vorgesetzten und einem Kollegen erlebt habe, sorge ich mich um die Polarisierung in der Debatte, die behauptet Frauen seien "die Guten" in solchen Fällen. Für mich ist Gleichberechtigung ist erreicht, wenn nicht nur Frauen als Opfer ernst genommen werden, sondern der klare Blick auch auf Frauen als Täter gerichtet wird.

Täter und Opfer gibt es auf beiden Seiten, eine polarisierte Debatte führt nicht zu weniger Ungerechtigkeit, im Gegenteil. Ich habe größte Hochachtung vor unserer Justiz, die in einer hoch emotionalen Situation der Unschuldsvermutung auf allen Seiten Rechnung tragen muss und trotzdem noch der Zweifel und Überprüfungen nicht zu kurz kommen lassen darf.

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