Ihre Meinung zu: Litauen: Der Euro ist da, der Wohlstand fehlt noch

1. Januar 2015 - 2:33 Uhr

Ab heute ist Litauen das 19. Mitgliedsland im Euro. Mit harten Sparmaßnahmen und guten Wirtschaftsdaten hat sich das Land laut EU-Kommission den Eurobeitritt verdient. Die Menschen profitieren von den guten Zahlen aber noch nicht.

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Kommentare

Ist schon arg merkwürdig ...

Neue Mitglieder werden (bzw. wurden in der Vergangenheit allzu großzügig) in den Euro aufgenommen, wenn Kennzahlen stimmen - Bsp. Litauen. Im Gegenzug muß es doch auch möglich sein, Kandidaten mit offenbar nicht passenden Rahmenbedingungen (oder sogar damals hingebogenen Wirtschaftsdaten) aus dem Euro in die normale EU-Währungsschlange zurückzuführen - Bsp. Griechenland. Irgendetwas stimmt da am System grundsätzlich nicht, und Frau Merkel und der Politik ist´s offensichtlich egal ? was ist das denn ...

Mit harten Sparmaßnahmen und guten Wirtschaftsdaten!

Man, man, man Leute! Da muss ich tod lachen, meine Freunde aus Litauen fast geflüchtet sind, im Land ist nix los, keine Arbeit, niedrige Löhne und Renten, junge Menschen verlassen das Land! Geblieben sind nur Politiker, alte, kranke Menschen und Rentner. Absolut tote Hose! He, He Europa!

Vor Neid erblassen?

Frau Hackländer schreibt:

" Die Werte sind so gut, dass andere EU-Länder glatt vor Neid erblassen könnten."

Bei einer kurzen Recherche zu Litauens Haushalt bin ich auf einen Beitrag der Bundeszentrale für politische Bildung gestossen.

http://www.bpb.de/wissen
/P16RQL,0,Top_5_Nettozahler_und_Nettoempf%E4nger_der_EU.
html

Darin werden die Nettozahler und die Nettoempfänger in der EU für das Jahr 2012 aufgehführt. Man siehe und staune: Litauen steht mit 504 bezogenen € von der EU pro Einwohner pro Jahr auf Platz zwei in dieser Kategorie. Die Transferzahlungen der EU machen sogar 5% des Bruttoinlandsprodukts des ganzen Landes aus.

Beim Thema der Werte, die andere Länder vor Neid erblassen lassen, sollten diese Zahlen nicht unerwähnt bleiben...

Ja nun sag mal bloß!

Ja, liebe Litauer, so ist das mit der EU! Das Volk verspricht sich von der EU ein besseres Dasein. Das erreicht aber nur die oberen Zehntausend in Politik und Wirtschaft, die aber wirklich heftig. Und so geschieht das gleiche, wie in allen anderen EU-Ländern auch: Durchschnittseinkommen und Wohlstand wachsen deutlich, nur unten kommt davon nix an. Und wenn, dann steigen Mieten und Energiepreise. Selbst in D wird gemeckert, dass die Menschen nur 1/4 ihres Einkommens für Mieten aufwenden, schließlich sei das in anderen Ländern mehr.
.
Dass ein Land wie Litauen 504 Euro/Einwohner von der EU bekommt, lässt einen echten Deutschen natürlich vor Neid erblassen. Denn er denkt nämlich, nun bekommt jeder Litauer 42 Euro Taschengeld im Monat extra. Weiter denkt er, dass er das persönlich aus seiner Tasche zahlen würde. Und Haben und Nichthaben macht dann schon 84 Euro!

namedesnutzers:"Beim Thema der Werte, die andere Länder...

vor Neid erblassen lassen, sollten diese Zahlen (der EU-Transferleistungen an Litauen) nicht unerwähnt bleiben."

Die Transferleistungen und die guten Wirtschaftsdaten bei Eintritt Litauens in die Eurozone können nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Land und seine Bürger zu den ärmsten in der EU zählen. Um dies zu ändern, wären massive Investitionen in die Wirtschaftskraft und nachhaltige Arbeitsplätze des Landes notwendig. Litauen sollte seine Vorzüge und die der Menschen besser anbieten und über ein höheres BIP wenigstens einen bescheidenen Wohlstand generieren. Insofern kann der Beitritt zur Eurozone mit Hoffnung auf Teilhabe verbunden werden.

Zudem lebt das EU-Land aber auch noch von anderen, demokratischen, Werten, das sich von der Autokratie des großen Nachbarlandes nicht anstecken und destabilisieren lässt, im Gegenteil. Litauen verteidigt Meinungsfreiheit, Pluralität, Selbstbestimmung, demokratische Ordnung und Rechtstaatlichkeit gegen die destruktive Kraft Russlands.

NUnja....

Arbeitslosigkeit liegt bei 11% in 2014.
Schon recht hoch - wenn auch leicht fallend.

Wirtschaftswachstum bei knapp 4% - aber welchen Wert hat das wenn offensichtlich weite Teile der Bevölkerung kaum partizipieren.

Durchschnittlicher Bruttolohn : ca. 700 Euro (Kaufkraftmäßig ca. 1000).

starke Abwanderung von Litauern aufgrund fehlender Perspektiven und des geringen Lebensstandards.
insbesondere Gebildete fliehen aus dem Land.

Man würde sich schon wünschen, das in der EU eine stärkere Angleichung der Lebensverhältnisse erfolgen würde, bevor ein Beitritt oder Niederlassungsfreiheit in Frage kommen.

Das würde die entsprechenden Regierungen dazu zwingen, im eigenen Land für Verhältnisse zu Sorgen, die sie Bevölkerung zum bleiben bewegen und die Basis der eigenen Wirtschaft nicht angreifen.

So aber besteht für diese Regierungen kein Anreiz für Reformen in dieser Richtung.

In Litauen ist der EURO da!

Es ist schon erstaunlich, dass die baltischen Staaten, ehemalige Sowjetrepubliken, die Maastricht-Kriterien zur Aufnahme in die Eurozone relativ schnell erfüllt haben. Davon sind Polen, Tschechien und Ungarn noch entfernt. Gerade die Wirtschaftspolitik in Ungarn wurde doch zu DDR-Zeiten von den Ostdeutschen immer als besonders vorbildlich angesehen. Man sieht daran, dass die verantwortlichen Politiker die Wirtschaftspolitik positiv oder negativ steuern können.

@garden.of.delight..

Aber aber ... was wollen Sie denn? Wir sind doch eine große fröhliche Familie in der EU und die Arbeitnehmer SOLLEN doch "mobil" sein (genauso wie die Arbeitsplätze)!

Langfristige strategische Planungen für die Wirtschaft sind "out", da wir ja doch jetzt Kapitalismus und nicht mehr Planwirtschaft haben ...
/Sarkasmus aus

Die EU und insbesondere das Schengen-Abkommen sind eine SCHLECHTE Sache, denn sie helfen dabei Menschen zu entwurzeln und kulturelle Identität aufzuweichen. Hier in Deutschland hat man sich daran aber schon gewöhnt, denn "deutsche Kultur" wurde ja in den letzten 140 Jahren regelmäßig "umgeschrieben" ... insbesondere in den Städten.

Ein neues Billiglohnland im Euro-Raum

Es wird also Zeit, das Lohnniveau in Deutschland noch mal ein gutes Stück abzusenken, man muss ja Exportweltmeister bleiben...

@ 01. Januar 2015 um 08:07 von KönigSchmadke

Zitat: "Es wird also Zeit, das Lohnniveau in Deutschland noch mal ein gutes Stück abzusenken, man muss ja Exportweltmeister bleiben..." Zitat Ende.
***
Sie haben in einem Satz Sinn und Zweck der beständig fortgesetzten EU-Erweiterung ausgedrückt!
Egal, ob Kerneuropa - insbes. Deutschland - Arbeitsplätze in "neue EU Länder" auslagert oder von dort hochqualifizierte Billiglöhner bezieht - der Effekt bleibt derselbe.
Ist ein Land nicht nur EU- sondern auch Eurozonen-Mitglied, hat es keine eigene Währung mehr, deren Außenwert der eigenen Wirtschaftsleistung per Auf- oder Abwertung anpassbar wäre. Kleine und Agrarländer die nicht auf Augenhöhe mit den Industrieländern sind, werden so wirtschafts-, finanz-, und damit allgemein politisch von der EU "ferngesteuert".
Das Römische Reich musste auch beständig expandieren, um seinen wachsenden Bedarf an Sklaven - quasi das "Erdöl des Altertums", deren Verfügbarkeit existenziell war - zu befriedigen. Es ging unter, als damit Schluss war.

@CE

die allmähliche kulturelle Entwurzelung, das durchmischen von Gesellschaften und permanente Wanderungsbewegungenvon arm nach reich haben schon auch Vorteile :
- Entsolidarisierung der leute untereinander.
- Minimierung der Lohnzuwächse in relativ wohlhabenden Ländern

Kein Vorteil für die meisten - aber für Leute mit Geld und Einfluss.

Mithin wird damit erreicht das zu zerstören, was "Mutti" gestern noch als besondere Stärke unseres Landes bezeichnet hat :
den Zusammenhalt innerhalb der Gesellschaft.

skeptische Litauer

So richtig begeistert scheinen die Litauer von ihrer neuen Währung nicht zu sein. Sie sind eher skeptisch: nur etwa 40 Prozent sind für den EURO. Die meisten haben wohl Sorge, dass sie statt des EUROs den TEURO im Portemonnaie haben werden. Liebe Litauer, lasst die Ohren nicht hängen, es wird schon werden. :-)

Da wird dem gemeinen Volk

von der Politik vorgegaukelt, dass es ihm mit dem Euro besser gehen wird. Weit gefehlt! Es sind wie immer die üblichen Leute, wie Politiker, Bankster und Wirtschaft, welche hier den Reibach machen. Ja und dann ist da noch der grosse Profiteur Gold-Draghi, wenn Herr Weidmann an Mitbestimmungsrecht verliert. Der ist ihm sowieso ein Dorn im Auge. Draghi will Deutschland nur als Zahlmeister, ansonsten Klappe halten.

Geschmackle...

Man wolle die positiven Erfahrungen in Lettland nutzen, sagte der litauische Prasident. Leider haben auch die Litauer eine Erfahrung nicht berücksichtigt, die der lettische Präsident zwei Wochen nach Abschaffung des Lat und Einführung des Euro so formulierte: Man hätte vor Einführung des Euro den Lat abwerten sollen. Die Folgen waren unabhangig von dem GEBETSMUHLENHAFTEN BETEUERUNGEN in jedem RIMI oder Maxima-Markt zu sehen.

Wer?

Wenn das Volk nicht von den "guten" Zahlen - was immer das sein mag - profitiert, wer dann? Mir schwant etwas. Wahrscheinlich Oligarchen, Großaktionäre und die, die sowieso nicht wissen wohin mit dem Geld.

@Spezialdemokrat

Aktuell gibt es aber Probleme bei der Ausweitung....

Die Türkei mag nicht wirklich - und fährt auch ohne EU sehr gut.

Die Ukraine - selbst wenn die Kriegshandlungen aufhören - wird selbst so etwas wie die EU nicht haben wollen.
Bankrott und mit schrumpfender Wirtschaft.

Großbritannien geht zügig auf eine Volksabstimmung zur EU zu.

Es ist anzunehmen, das die Briten Ernst machen.

als Anhängsel der USA werden sie wesentlich besser fahren als als Bestandteil der EU.

Keine qualifizierten Fachkräfte

Die hoch qualifizierten Fachkräfte sind schon längst nach Finnland entschwunden. Die Finnen werden von den Facharbeitern und Akademikern aus den baltischen Staaten geradezu überrannt. Diese Information stammt von einer Freundin (Finnin), die in Turku lebt.

@sola bona

Ich erinnere mich noch ziemlich gut an die Euro Einführung in D.
Vor der Einführung Sparte ich damals 1000DM pro Monat.

Nach der Einführung war dann nichts mehr übrig (Konsumverhalten unverändert)

Bei den Litauern wirds nicht ganz so schlimm kommen :
Der Lebensstandard ist zu niedrig, um die Leute über höhere Preise abzocken zu können.
In der BRD der Jahrtausendwende war das anders.

07:39 von Helmut Baltrusch

"...Um dies zu ändern, wären massive Investitionen in die Wirtschaftskraft und nachhaltige Arbeitsplätze des Landes notwendig. Litauen sollte seine Vorzüge und die der Menschen besser anbieten und über ein höheres BIP wenigstens einen bescheidenen Wohlstand generieren."

Das sind Allgemeinplätze, die man jedem Land empfehlen sollte, man könnte auch sagen: Papperlapapp. Was sind denn die Vorzüge Litauens und seiner Menschen, die nun Grundlage eines wirtschaftlichen Aufstiegs - auch für die "kleinen" Menschen - sein sollten?
Aber eine erste Antwort geben Sie schließlich doch:
"...Litauen verteidigt Meinungsfreiheit, Pluralität, Selbstbestimmung, demokratische Ordnung und Rechtstaatlichkeit gegen die destruktive Kraft Russlands."
Da haben wir es. Es geht in erster Linie darum, das Land gegen Russland in Stellung zu bringen! Und Sie reden beständig vom expansiven Geist Putins. EU und Nato rücken dagegen auch in Litauen bis vor die Grenzen Russlands.

@Ungeschoent

Sollte die EU Erweiterungs so weiter gehen wie bisher, werden auch diese Länder ihre "fachkräftezuwanderung" bekommen.

Mit der Heranführung der Ukraine an die EU werden Länder wie Polen und die baltischen Staaten Zugriff auf die billigen Ukrainischen Arbeitskräfte bekommen.
Bei Durchschnittslöhnen von ca 350€ in der Ukraine und aufgrund der Krise der Wirtschaft dort sind selbst Polen und Litauen attraktiv.

@sola bona:"Skeptische Litauer: ...nur 40 % sind für den Euro."

Vielleicht können Sie sich noch daran erinnern, dass die Zustimmungsquote in Deutschland uns anderen EU-Ländern vor der Euro-Einführung angesichts der mit einer neuen Währung verbundenen Ungewissheiten auch nicht viel höher waren, im Gegenteil. Litauen hat wenigstens ansonsten noch positive Wirtschaftsindikatoren.

Hingegen schrumpft die Wirtschaft des großen Nachbarlandes. Darunter leiden auch deren Banken. Zahlreiche russische und ausländische Kunden haben wegen der Talfahrt des Rubel die Konten geräumt und in Sachwerte oder Devisen investiert. Zudem sind die Geldhäuser von den westlichen Kreditmärkten abgeschnitten . Das alles bleibt den Litauern erspart. Insofern ist deren Perspektive in der Eurozone erheblich besser.

Nicht gegen Litauen. Aber

Nicht gegen Litauen. Aber prinzipiell ! Sieht man im sich Ausbreiten des EUROS längst nicht mehr die Ausbreitung von Wohlstand oder Zuversicht, sondern Litauen wird es "dank" Euro nur kurzfristig besser gehen, wenn überhaupt auch nur der heiligen Wirtschaft.

Im Euro sehe ich sogar eine Ausbreitung einer Dekadenz, die eher an virale Bedrohung erinnert, als an vernünftige Kalkulation. Umso größer ein sinkendes Schiff wird, desto schneller sinkt es. Ist so.

Und der Euro sinkt seit 2008 etwa. Ich kann es kaum fassen, dass da einige Kolporteure des währungstechnischen Wahnsinns sich ein Land nach dem anderen einverleiben, ohne offenbar zu wissen, in welcher Krise wir alle stecken. Naja, mir solls recht sein, wenn es schneller zuende geht, kann ich mit DEM LOBBYVERSEUCHTEN EURO-PA nichts anfangen.

@10:20 von Helmut Baltrusch

"Hingegen schrumpft die Wirtschaft des großen Nachbarlandes. Darunter leiden auch deren Banken. Zahlreiche russische und ausländische Kunden haben wegen der Talfahrt des Rubel die Konten geräumt und in Sachwerte oder Devisen investiert. Zudem sind die Geldhäuser von den westlichen Kreditmärkten abgeschnitten . Das alles bleibt den Litauern erspart. Insofern ist deren Perspektive in der Eurozone erheblich besser."

Welch ein Widerspruch in Ihren Worten. Da Litauen ja in der EU ist und war, also auf der "richtigen" Seite im Wirtschaftskrieg der EU gegen Russland ist, waren wohl die Geldhäuser nicht abgeschnitten. Was bleibt den Litauern also erspart mit dem Euro?

Fehler

Litauen hat einen Fehler gemacht.

Der Euro ist nur ein Problem und für nichts eine Lösung.

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